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03.11.2016 11:28

„Die Arbeit mit Jugendlichen ist wie ein Schmelztiegel der Ideen, die mich immer wieder aufs Neue herausfordert!“

Holger Prang ist ehrenamtlicher Clubleiter der VDI-ZUKUNFTSPILOTEN in Düsseldorf. Er hat den Club im April 2016 gegründet und leitet ihn sehr engagiert.

(Bild: VDI-ZUKUNFTSPILOTEN Clubleiter Holger Prang, Düsseldorf )

(Bild: VDI-ZUKUNFTSPILOTEN Clubleiter Holger Prang, Düsseldorf )

Lisa Braumann (VDI): Hallo Holger, bitte stell Dich unseren Lesern kurz vor.
Hallo! Ich heiße Holger Prang, bin 45 Jahre alt und seit einer gefühlten Ewigkeit als selbstständiger Unternehmensberater im IT-Umfeld unterwegs. Derzeit wohne ich mit meiner Familie in Neuss, habe aber eigentlich mein ganzes Leben in Düsseldorf verbracht.

Wie bist Du zu Deinem Beruf gekommen? Und was fasziniert Dich an Deinem Beruf?
Ganz ehrlich: Als Jugendlicher hatte ich keine Ahnung, was ich werden wollte ;) Nach der Schule habe ich erstmal im Einkauf bei einer Mobilfunk-Firma gejobbt, dann meinen Zivi in einer Behinderten-Werkstatt absolviert. In dieser Zeit habe ich festgestellt, dass ich wohl ein guter Generalist bin. Also die speziellen Themen gar nicht so mein Ding sind, sondern eher die breite und umfassende Betrachtung von Problemen. Deswegen habe ich dann Wirtschaftsingenieurwesen studiert und im Studium bei allen möglichen Firmen gearbeitet. Am Fließband, im Büro, bei Unternehmensberatern usw. Nach Ende des Studiums habe ich dann als IT-Projektmanager bei einem Telematik-Unternehmen angefangen. Nach einigen Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht und arbeite seitdem für meine Kunden meistens im Bereich IT und realisiere dort interessante Integrationsprojekte aller Art.

Neben deinem Job engagierst Du Dich noch ehrenamtlich. Was genau machst du?
In meiner Freizeit habe ich vor einigen Jahren das FabLab 'GarageLab e.V.' in Düsseldorf mit anderen Mitstreitern aufgebaut. Das FabLab ist eine Gemeinschaftswerkstatt mit Maschinen zur Holz- und Metallbearbeitung, 3-D-Drucker, Elektronik uvm., die wir uns teilen. Wir wollten aber auch einen Ort schaffen, an dem wir unser Wissen über Technik mit anderen teilen und vergrößern können. Deswegen veranstalten wir viele Workshops zu Themen wie 3-D-Druck, Holzbearbeitung, Möbelbau, Repair-Café uvm. Dabei haben wir uns am Anfang nur an Erwachsene gewendet. Für Kinder und Jugendliche hatten wir nichts im Angebot.

Das GarageLab ist jetzt auch ein Ort für die VDI-ZUKUNFTSPILOTEN geworden. Wie kam es dazu?
Ich bin seit dem Studium VDI-Mitglied. Erstaunlicherweise hat eine gute Freundin mir von den Zukunftspiloten erzählt und den Kontakt zum Bezirksverband herstellt. Nach einigen sehr konstruktiven Gesprächen habe ich dann gesagt: „Jo, das probieren wir jetzt!“. Da das GarageLab nun soweit ausgebaut und erwachsen geworden ist, kümmere ich mich deswegen nur noch und exklusiv um die Zukunftspiloten. Aber ich freue mich, wenn auch andere Erwachsene mitmachen würden. Hilfe können wir immer gebrauchen.

An welchem Projekt arbeiten Deine Zukunftspiloten zurzeit?
Am Anfang haben wir einfache Workshops gemacht, bei dem das Arbeitsziel festgelegt war. So haben wir z.B. einen RocketDragRacer (ein Raketenauto) gebaut und einige unserer Piloten haben dann im Juni sogar am Rennen zum Tag der Technik teilgenommen.

Derzeit hangeln wir uns durch echte Basis-Themen, damit die Piloten später ihre eigenen Projekte umsetzen können. D.h. wir arbeiten in der Werkstatt mit Maschinen und Werkzeugen, um die handwerklichen Fähigkeiten zu verbessern. Wir wollen auch in Zukunft am Computer 3-D-Konstuktionen zeichnen und auf einem 3-D-Drucker ausgeben. Auch der ganze Bereich der Elektronik und Mikrocontroller steht auf der Agenda. Uns werden die Ideen so schnell nicht ausgehen.
Außerdem bauen wir gerade eine Papierflieger-Abwurf-Maschine. Mal sehen, ob es klappt und wie weit wir damit einen Papierflieger abfeuern können. Und zwischendurch geht es noch auf die weltgrößte Messe für Kunststoffe. Die 'K' in Düsseldorf.

Was fasziniert Dich an der Zusammenarbeit mit Jugendlichen?
Je älter man wird, desto blockierter ist die eigene Sichtweise auf die Welt. Erfahrung kann auch sehr hinderlich sein. Die Arbeit mit den Jugendlichen ist deswegen wie ein Schmelztiegel der Ideen, die mich immer wieder aufs Neue herausfordern! Als Beispiel nehme ich gerne meinen RocketDragRacer. An diesem Projekt sitze ich seit ca. zwei Jahren und habe die Konstruktion ständig verbessert. So meinte ich. Denn mein Renner war nie so wirklich schnell und auch nicht so leicht zu bauen. Mit den Piloten haben wir ihn in extrem kurzer Zeit soweit verbessert, dass man ihn heute in ca. einer Stunde bauen kann und er auch noch deutlich leichter wurde.

Der Grund hierfür liegt darin, dass im Raum sehr viele Ideen schwirrten, die bei Erwachsenen nie in Frage kommen würden. Meine Aufgabe ist es, die vielen Ideen zu bewerten und auch neue Ideen abzuleiten. Das macht großen Spaß!

Zusätzlich bin ich selber Vater und glaube, dass ein Verständnis und Neugier für technische Prozesse und Dinge sehr hilfreich sein kann. Nicht nur im späteren Beruf. Deswegen ist es auch sehr schön zu sehen, wie interessiert und kreativ die Jugendlichen sind. Wichtig ist aber, dass wir am Ende des Tages alle Spaß haben. Wenn uns das gelingt, haben wir unser Ziel erreicht.

Was sind für Dich die drei wichtigsten Gründe, warum ein Jugendlicher Zukunftspilot werden sollte?
1) Bist Du kreativ? Hast Du eine Idee im Kopf, die Du eines Tages in den Händen halten willst?
    Dann baue es doch selbst! Warte nicht darauf, dass Du es kaufen kannst.
2) Willst Du endlich mal was mit Deinen Händen machen? Und nicht nur mit dem Kopf. Dann bist du als
    Zukunftspilot in unserem Team gut aufgehoben.
3) Wie funktioniert das? Wenn Dich diese Frage jeden Tag begleitet, dann werden wir es herausfinden.

Holger, danke für das interessante und spannende Interview! :) ?